Historisches

Die Herkunft des Wing Chun – in Kürze

Die Wurzeln des Wing Chun reichen zurück zu den Shaolin-Klöstern Chinas. Nach der Zerstörung eines Klosters am Sung-Berg zerstreuten sich die überlebenden Meister. Unter ihnen befand sich die buddhistische Nonne Ng Mui, der die Entwicklung eines neuen, effizienten Kampfsystems zugeschrieben wird.


Ng Mui und Yim Wing Chun

Ng Mui entwickelte ein System, das nicht auf Kraft, sondern auf Struktur, Direktheit und Anpassungsfähigkeit beruhte – inspiriert durch Naturbeobachtungen wie den Kampf zwischen Kranich und Schlange. Die vielen überlieferten Legenden unterscheiden sich in ihren Details – welche davon historisch exakt zutrifft, lässt sich heute nicht eindeutig klären.

Sie gab dieses Wissen an Yim Wing Chun weiter, die das System erfolgreich anwendete, um sich gegen einen überlegenen Gegner zu behaupten. Zu Ehren dieser Frau erhielt das System später den Namen Wing Chun.


Die Rote Dschunke und die Systematisierung

Über die Schauspieler der Roten Dschunke verbreitete sich Wing Chun weiter. Sie lebten und arbeiteten auf ihrem Schiff, nutzten diese als Rückzugsort und setzten dort ihr Training im Verborgenen fort. In dieser Phase wurden zentrale Elemente des Systems weiterentwickelt und gefestigt.

  • der Langstock,
  • das Holzpuppentraining
  • und die Doppelmesser
    in das System integriert.

Leung Jan – der „König des Wing Chun“

Der Arzt Leung Jan aus Fatshan brachte Wing Chun zu hoher Perfektion und wurde landesweit bekannt. Er unterrichtete nur wenige Schüler, darunter Chan Wah Shun, der später eine entscheidende Rolle in der Weitergabe des Systems spielte.


Yip Man – Wing Chun in der Neuzeit

Yip Man, Schüler von Chan Wah Shun und später von Leung Bik, vereinte praktische Kampferfahrung mit analytischer Präzision. Nach seiner Flucht nach Hongkong begann er dort, Wing Chun öffentlich zu unterrichten.

Zu seinen Schülern zählten unter anderem:

  • Leung Sheung
  • Wong Shun Leung
  • Lo Man Kam
  • Bruce Lee

Yip Man lebte und unterrichtete in Hongkong bis zu seinem Tod im Jahr 1972.


Lo Man Kam – direkte Linie bis heute

Lo Man Kam, Neffe und direkter Schüler von Yip Man, ging nach Taiwan und eröffnete 1974 die erste Wing-Chun-Schule des Landes. Er unterrichtete sowohl Zivilisten als auch Militär- und Polizeieinheiten, darunter das nationale SWAT-Team Taiwans.

Bis heute steht sein Name für eine klare, unverfälschte Weitergabe des Wing Chun entlang der Yip-Man-Linie. Seine Schule in Taipeh besteht weiterhin und zieht Schüler aus zahlreichen Ländern an – darunter auch aus der Schweiz.

Quelle: Tony Nicotéra